Fünf Flüsse – Sechs muntere „Fünfziger“

5-Flüsse – von 6 munteren „Fuffzigern“ erradelt
Reisebericht von W.Bachmann aus Hessen

Die 5-Flüsse-Radtour war bereits unsere fünfte gemeinsam unternommene Reise auf Deutschlands Radwegen und die wohl am besten und sagen wir mal am „kundennächsten“ organisierte Tour unseres Radlerlebens.
Wir – das sind 3 weibliche und 3 männliche Hobbyradfahrer aus den verschiedensten Berufssparten, die sich zum Teil seit der Jugend kennen – hatten uns 2007 entschlossen, gemeinsam eine Emslandtour zu unternehmen. Damals suchte ich noch – zwar in Anlehnung einer vorgegebenen Tour – die Hotels in den verschiedenen „Standorten“ selbst heraus und nahm, meist per Internet, die Buchungen vor. Das war z. T. ganz schön mühsam – es sollte ja nicht nur eine Unterkunft zum Schlafen und Ausruhen sein: Wir wollten schließlich auch abends nach des Alltags Müh’ und Last auch ordentlich essen und trinken!
Der aufmerksame Leser merkt schon, dass hier zwar durchaus sportbegeisterte Radfans unterwegs waren, die jedoch auch für die angenehmen Seiten des Lebens zugänglich sind.
So nahmen wir denn auch bei jeder Radtour die angenehmen Seiten eines Gepäcktransfers wahr: Wir radelten – nur mit dem Nötigsten (Getränken, Schokoriegeln, Regenjacken und dgl.) bepackt – von Standort zu Standort, während unsere Gepäckstücke (die dann im Laufe der Jahre immer etwas schwerer wurden) mit einem Transportunternehmen auch von Standort zu Standort bewegt wurden, allerdings ohne dass wir unnötigen Schweiß oder zusätzliche Aufmerksamkeit dafür verwenden mussten.
Die folgenden Radreisen – meistens Rundtouren – wurden dann meist komplett von entsprechenden Veranstaltern organisiert, wobei ich versucht habe, möglichst auf regionale Unternehmen zurückzugreifen.

So kam ich dann auch zu „Bayern-Radtour. de“, zu Herrn Gerhard Schmidt und leider auch zu dem Problem, dass ein Gepäcktransfer u. a. aus ökologischen Gründen eigentlich abgelehnt wurde. Dem Leitspruch „Der wahre Luxus liegt im Verzicht“ konnte ich aber locker unseren Leitspruch „Der wahre Luxus liegt im Verzicht auf Gepäck“ entgegensetzen, sprich auf das lästige Einpacken von allen möglichen Kleidungsvarianten für die ganze Woche + evt. Zukauf von landestypischen Artikeln, so dass unser Gepäck dann doch trotz ökologischen Interessenkonflikts von Taxiunternehmen transportiert werden konnte. Das kostete dann dadurch zwar etwas mehr – aber insgesamt gesehen war die ganze Reise doch noch um einiges günstiger als bei anderen Veranstaltern – zumal auf unnötiges Kartenmaterial, das wir uns aus Interesse sowieso meist schon vorher selber besorgt hatten, verzichtet wurde – nicht jedoch auf wichtige Informationen, wie Routenverlauf, evtl. Umleitungen, Sehenswürdigkeiten und genauen Beschreibungen der Anfahrtswege zu den Hotels.
Herrn Schmidts (zunächst von mir empört abgelehntes) Angebot, anstelle vom Gepäcktransfer zur Entlastung evtl. doch Elektroräder zu benutzen, wurde dann leider zu einer notwendigen Maßnahme, da ein Fuß meiner Frau rechtzeitig vor Beginn der Radtour durch einen herunter fallenden Aktenschrank erheblich geprellt wurde. Doch im Laufe der Reise stellte sich heraus, dass die erwähnte „Bequemlichkeit“ sich sehr in Grenzen hielt! – Dazu aber später mehr!

Ankunft und Übernachtung in Schwarzenbruck 
Zunächst wurden wir an unserem Startort Schwarzenbruck bei Nürnberg und dem „Hotel Harbauer“ äußerst herzlich begrüßt – sowohl vom Frau und Herrn Harbauer als auch von Herrn Schmidt persönlich. Hier merkte man sofort, dass Herr Schmidt mit Leib und Seele dem Radfahren verbunden ist und es ihm sehr wichtig ist, dass seine „Kunden“ eine tolle Radreise genießen können. So wurde meiner Frau auch gleich ein Elektrorad, das vom Hotel verliehen wurde, angepasst: Die Proberunde versprach einen stressfreien Urlaub – 50 bis zu 80 km sollte der Akku halten! Herr Schmidt wollte uns – trotz eigener Blessuren – am nächsten Tag ein Stück begleiten.

Kunst am Radweg

1. Etappe: Schwarzenbruck – Berching
Doch zu der geplanten Begleitung kam es leider nicht: Zunächst musste mein Fahrradträger nach zärtlichen Anfangsversuchen mehr oder weniger brutal aufgebrochen werden, da ich die entsprechenden Schlüssel nicht gefunden hatte! Dann hatte ein anderes Rad – beim Abladen vom Fahrradträger noch in voller Pracht – urplötzlich einen Plattfuß. Nachdem kurzfristig sogar die Anwesenden eines makabren Scherzes beschuldigt wurden, wurde dann doch das betroffene Rad in eine nahegelegene Werkstatt („die ist ein bisschen chaotisch“, so unser Herr Schmidt) transportiert, um von dort aus frisch aufgepumpt, aber ohne entdeckten Schaden, wieder entlassen zu werden. Dann konnte es endlich losgehen – leider wegen der fortgeschrittenen Zeit – ohne unseren Betreuer! Und zum ersten Male in unserer Gruppe: ein Elektrorad! Als dieses – samt meiner (noch) lächelnden Frau – die erste Anhöhe locker an uns vorbei fuhr, war die Restgruppe dann doch leicht neidisch. – Das legte sich dann im Laufe der Zeit …
Dann konnten wir – wie von Herrn Schmidt beschrieben – „entspannt und ruhig durch Kulturlandschaften und ohne Autoverkehr“ durch Neumarkt/Oberpfalz, über Berngau und Freystadt am Main-Donau-Kanal entlang nach Berching radeln, wo uns der Chef der „Gewürzmühle“ freundlich empfing. Jedes Zimmer war hier individuell gehalten, zum Teil mit eigenen Gemälden des Hausherrn ausgestattet.

2. Etappe: Berching – Kelheim
Am nächsten Morgen radelten wir nach dem klasse Frühstück die sehenswerte Stadtmauer ab, um dann gegen Mittag in Beilngries eine „kurze“ Mittagspause zu machen, zwei meiner Begleiterinnen mit einem Superwindbeutel. Apropos „Windbeutel“: Nachdem das weiter oben erwähnte Rad meines Kumpels es problemlos ohne Murren bis hierher zum Café geschafft hatte, war dort urplötzlich – nach stundenlangem Fahren am Vortag, ohne sichtbares äußeres Einwirken – plötzlich wieder die Luft raus – es war ebenso platt wie der Rest der Truppe – die natürlich nur im übertragenen Sinne! Aufpumpen half nur ein paar Sekunden. Gut, dass das hier und nicht unterwegs passiert ist! Eine Fahrradwerkstatt im gleichen Ort konnte uns prompt helfen: Sie entdeckte, dass ein Loch an der Innenseite, also direkt an der Felge, die Ursache für den plötzlichen Luftverlust war (Fabrikfehler?); durch den hohen Druck des Schlauches an die Felge wurde die Luft praktisch eine Zeitlang daran gehindert zu entweichen – eine Zeit lang!
Na ja – jedenfalls konnte der Schlauch erneuert werden und die Reise etwas verspätet fortgesetzt werden, was zur Folge hatte, dass das idyllische Altmühltal samt Ludwig – und Main-Donau-Kanal nur im Schnelldurchlauf erlebt werden konnte, auch mit Besichtigungen war dann nix mehr, aber wir sind ja schnell im Erfassen … Dennoch nahmen wir uns natürlich die Zeit, uns so herrliche Orte wie Diethfurt und Kelheim anzuschauen, wo wir dann im Gasthaus „Berzl“ übernachteten und deftig bayrisch speisten.

3. Etappe: Kelheim – Regensburg / ein  Tag Aufenthalt in Regensburg
Da wir an diesem Tag nur max. 40 km zurückzulegen hatten, konnten wir es uns erlauben, mit dem Schiff durch den Donaudurchbruch zur Klosteranlage Weltenburg zu fahren, ein wohl unvergessliches Erlebnis – auch mal ohne Rad!
Nachmittags ging’s dann weiter an der Donau entlang nach Regensburg, für mich und wohl auch für die anderen das Highlight der Tour! Zu Recht ist die Altstadt UNESCO-Welterbe! Gut, dass wir vorsorglich hier einen Tag Aufenthalt gebucht hatten, dazu noch in solch einem Hotel („Weidenhof“).
Überhaupt sei an dieser Stelle mal erwähnt, dass sämtliche Hotels sorgfältig ausgewählt schienen, keines enttäuschte, im Gegenteil: Auch die größeren überzeugten durch Individualität und teilweise Charme – freundliches Personal und ein gutes Frühstück hatten alle aufzuweisen!
In Regensburg nahmen wir dann die Möglichkeit einer Besichtigung per Bus wahr – auch da meine Frau schon länger gemerkt hatte, dass die Fußverletzung doch nicht so ganz ohne war: Viel Laufen war nicht möglich, das Radeln mit dem Elektrorad war zwar eine gewisse Erleichterung – so konnte sie wie schon erwähnt bequem Steigungen empor radeln – doch während bergab die 5 „Normalos“ mit viel Schwung den Berg hinunter sausten, konnte sie wegen der etwas schwergängigeren Mechanik nicht mithalten, zumal sie insbesondere an den ersten Tagen den Motor aus Energiespargründen an solchen Stellen abschaltete. So musste sie, um mitzuhalten, insgesamt gesehen mehr „hineintreten“ als ihre Mitradler, die das natürlich gar nicht so direkt bemerkten. Folge war, dass das an sich gesunde Bein – um das andere zu entlasten – unverhältnismäßig mehr zu leisten hatte, was wiederum auch hier Schmerzen verursachte. Deshalb fassten wir in Regensburg ins Auge, einen Teil der Strecke nach Amberg mit der Bahn zurückzulegen – mit mir als treusorgenden Begleiter natürlich – was ab Burglengenfeld  nordöstlich von Kallmünz auch möglich war.
Als wir dabei Herrn Schmidt telefonisch um Rat fragten, schickte er prompt ein Fax mit den möglichen Bahnverbindungen incl. Zeiten an unser Hotel.

Kallmünz mit Burgfried

4. Etappe: Regensburg – Amberg
Da die Strecke entlang der Naab (bis Kallmünz) und an der Vils (bis Amberg) dann doch sehr gemächlich und gemütlich war (23 km davon auf einer ehemaligen Bahnlinie), konnten wir dann doch auf einen Bahntransport verzichten! Und das war auch gut so: Es wäre schade gewesen, neben dem herrlichen Ort Kallmünz nicht auch den Rest der Strecke kennengelernt zu haben!
So erreichten wir locker das „Altstadthotel“ in Amberg – mit einem kleinen Rummelplatz vor dem Haus! In Amberg war nämlich gerade das Altstadtfest. Aber die Wirtin versicherte uns, dass hier um 22 Uhr dann alles „dicht“ sei. So nutzten wir den frühen Abend für einen Bummel durch die Altstadt, die mit allerlei Ständen bereichert war. Uns war aber eher nach einem etwas gemütlicherem Zusammensitzen mit Essen und Trinken zumute, was uns dann ins „Schloderer Bräu“ zum „Klugscheißertisch“ (nee, nee!) führte, wo es sogar noch freie Plätze gab, da es viele nach draußen in die Gassen trieb – bis zum großen Regen! Als dann die Kneipe plötzlich gerammelt voll wurde, hatten wir gottlob schon unsere Bestellung aufgegeben und konnten bald die Spezialitäten des Hauses genießen – ebenso wie später die Nacht im Hotel ohne Rummel vor dem Haus.

Rathaus in Sulzbach-Rosenberg

5. Etappe: Amberg – Hersbruck
Nach einer ausgiebigen Stadtbesichtigung von Amberg mit Besuch der sogar mich als Kirchenmuffel beeindruckenden St. Georg-Kirche war schon der erste größere Ort Sulzbach-Rosenberg (die meisten hatten den Namen bisher noch nie gehört) durchaus schon wieder eine Besichtigung (z B. gotisches Rathaus) wert, mit abschließendem Kaffee und Kuchen in einem netten Buchcafé.
Weiter ging’s unweit einer Bahnlinie an kleinen Bächen entlang durch nette kleine Orte Richtung Hersbruck, unserem nächsten Etappenziel. Herr Schmidt machte uns – wiederum per Fax – darauf aufmerksam, dass wir lt. Informationen des Bürgermeisters von Weigendorf nicht unbedingt die bergige Umleitung benutzen müssten, sondern durchaus die kurze Baustelle (vorsichtig) passieren dürften – was wir dann auch ohne Probleme schafften!

An der Pegnitz

In Hersbruck angekommen, erwartete uns im Gasthof „Schwarzer Adler“ ein äußerst schmackhaftes Abendmenü, nach übereinstimmender Meinung das beste auf der ganzen Tour!
Der Ort selbst beeindruckte durch eine schnuckelige Altstadt mit vielen Fachwerkbauten entlang der Pegnitz.

 

 

In der Nürnberger Altstadt

6. Etappe: Hersbruck – Nürnberg – Schwarzenbruck  
Frisch gestärkt brachen wir dann am Morgen zur letzten Tour Richtung Nürnberg auf. Um Gemeinschaftssinn zu zeigen, trugen wir alle gemeinsam das nach der Emslandtour entworfene Trikot mit der Aufschrift „Emsig auf Tour“ – was unseren Körpern nochmals letzte Kraftreserven entlockte. So verwunderte es uns auch nicht, dass wir schon nach ca. 10 km anstelle der vorgesehenen 30 km „Nürnberg“ erreichten. Wir hatten jedoch erst den Marktplatz von Lauf, einem beeindruckenden Ort 20 km vor Nürnberg erreicht, der aber durch seine hübschen historischen Gebäude zum Verweilen einlud und Lust auf mehr machte!
Diese Lust wurde dann auch später – nach einer kurzen Rast an einem Gutshof im Ortsteil  „Hammer“ – in Nürnberg voll gestillt: Herrliche Fachwerkbauten inklusive der Kaiserburg ließen unsere

Kaiserburg in Nürnberg

Fotoapparate heißlaufen. Wir konnten natürlich in den wenigen Stunden nicht die gesamte Schönheit der Stadt Nürnberg bewundern, etwas Zeit zum Kaffeetrinken und zum Weiterradeln musste ja auch noch sein!
Der letzte Abschnitt am Ludwigskanal entlang wurde als „besonders entspannend“ versprochen, was auch durchaus für fast alle Teilnehmer zutraf – bis auf meine Elektrorad-fahrende Frau! Die musste ausgerechnet die letzten ca. 10 idyllischen Kilometern mit eigener Muskelkraft fahren  – und das obwohl ihre Beine durch die gefahrenen Radkilometer und die letzte Besichtigung in Nürnberg schon gestresst genug waren. So hatte sie erstmal nach Erreichen der Herberge in Schwarzenbruck ziemlich die Nase voll vom Radfahren.
Das legte sich dann bei einem Abendessen inklusive Weizenbier im nahegelegenen Biergarten wieder – übrigens zusammen mit Herrn Schmidt, der es sich nicht nehmen ließ, ein paar Stunden mit uns zu verbringen, um gemeinsam über die Reise zu plaudern!

Diese kann man im Nachhinein durchaus als gelungen bewerten, zumal auch das Wetter mitspielte: Pünktlich zur 1. Etappe am Mittwoch stellte sich nach tagelangem Regen Sonnenschein ein, der auch die ganze Zeit anhielt – Gewitter mit Regenschauern gab es nur nachts, wo es uns nicht weiter kümmerte. Am letzten Tag schaltete das Wetter wieder um auf „unbeständig“, einer der am häufigsten vorkommenden Wetterlagen im Sommer 2011.

Abstriche beim Elektrorad
Nur in Sachen „Elektrorad“ mussten wir einige Abstriche machen: Obwohl mit dem erhaltenen Rad schon ein gutes Modell gewählt wurde, wäre die Mitnahme eines zweiten Akkus durchaus sinnvoll gewesen: 80 km wären nie und nimmer drin gewesen, zwischenzeitliches Aufladen hätte ziemlich große Pausen erfordert. Längere Strecken wären mit zweitem Akku wohl stressfreier zu bewältigen gewesen, da man öfters die höchste Stufe hätte benutzen können. Ideal wäre es natürlich gewesen, wenn alle Teilnehmer in etwa die gleichen Voraussetzungen gehabt hätten: nicht unbedingt alle mit einer Verletzung versehen, aber alle mit einem Elektrorad! Wir könnten uns durchaus spätere Touren in hohem Alter – so kurz vor dreistellig (…) – mit derart technischer Unterstützung vorstellen!

W. Bachmann aus Hessen

Link zum Reiseveranstalter: Fünf-Flüsse-Radweg

Impressionen vom Fünf-Flüsse-Radweg

Felsenhäusl in Kallmünz

 

 

 

 

 

 

 

An der Pegnitz in Nürnberg

Donaudurchbruch bei Weltenburg

 

 

 

 

 

 

Ludwigskanal zwischen Nürnberg und Neumarkt

Eine wohlverdiente Pause

 

 

Radweg entlang der Vils

 

 

 

 

 

 

 

 

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2 Antworten auf Fünf Flüsse – Sechs muntere „Fünfziger“

  1. Олег и Елена Маттерн sagt:

    Respekt…
    Ein Tolle Bericht.
    Mehr davon…

  2. Kai Münster sagt:

    Ein sehr schöner Bericht! Die Fotos machen wirklich Lust darauf, die Tour (oder Abschnitte davon) selbst einmal zu radeln.

    Elektrorädern stand ich anfänglich auch sehr skeptisch gegenüber – nicht nur wegen der von Ihnen beschriebenen Problematik mit den Akkus, die leider immer dann alle sind, wenn man gerade richtig „in Fahrt ist“. Mittlerweile sehe ich sie aber auch als praktische Ergänzung, gerade wenn die Beine längere Touren ansonsten nicht mehr mitmachen würden.

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